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Beşiktaş

Spricht man von Besiktas, dann denken die meisten Leute an dem gleichnamigen Fußballverein. Doch der Istanbuler Stadtteil hat wesentlich mehr zu bieten als nur den Traditionsverein. Gleich gegenüber vom Stadion befindet sich der Dolmahace Palast. Sultan Abdül Mecit I. war ein begeisterter Fußballfan, deswegen verlegte er den Wohnsitz der Sultane 1843 vom Topkapi Palast direkt gegenüber zum Stadion seines Lieblingsvereins. Klingt gut? Stimmt aber nicht. Der Fußballklub wurde erst 1903 gegründet. Der wahre Grund, weswegen der Sultan diesen Bau im Auftrag gab, waren Gerüchte, dass das osmanische Reich sowohl finanziell wie militärisch am Ende sei. Dem wollte er ein Zeichen entgegensetzen und gab dem Bau eines neuen Prunkpalastes in Auftrag. Zwölf Jahre später zog der Sultan mit seiner Familie in den Palast ein. Sultan Abdülaziz war mit dem Bauwerk seines Vorgängers nicht zufrieden und liess daher seinen eigenen Palast, den Ciragan-Palast erbauen. Dessen Nachfolger Abdül Hamit II. meinte aber auch, dass er sich ein archtektonisches Denkmal setzen müsste und ließ dem nächsten Palast im Yildiz-Park erbauen. Das sollte aber der letzte Palast sein, der in Istanbul erbaute. In den frühen Jahren seiner Republik wählte Kemal Atatürk den Dolmahace Palast als seinen Wohnsitz und wird heute noch für staatlich repräsentative Anlässe genutzt.
Da die Paläste alle im Stadtteil Besiktas liegen (wobei der Ciragan-Palast inzwischen Teil des Kempinski-Hotels geworden ist), beschließe ich, alle an einem Tag zu besuchen. Zu Fuß erreiche ich den Dolmahace Palast. Dieser besteht aus zwei Teilen: dem eigentlichen Palast, dessen Räume öffentlich zugänglich waren und dem Harem, wo der Sultan mit seiner Familie lebte. Beide Teile des Gebäudes kann man nur mit einer Führung besichtigen und für beide Teile muss man extra Eintritt zahlen. Auf dem Gelände und den dazugehörigen Garten kann man sich aber nach einer Sicherheitskontrolle umsonst bewegen. Ich will aber das Innere der Häuser sehen. Ein Entschluss, dem ich bald bereue. Zwar beeindrucken die Zimmer durch ihre Größe und Einrichtung, aber die Informationen, die man vom Fremdenführer erhält sind eher langweilig: „Der Teppich wurde aus Wolle mit 327 Knoten geknüpft. Die Wand besteht aus 2400 Kacheln aus einem Bergwerk in Anatolien. Der Kronleuchter ist ein Geschenk des Prinzen von Frankreich.“ Diese Informationen gibt es in jedem der Räume, allerdings in abgewandelter Form. Wo bleiben die wirklich spannenden Geschichten aus dem Leben der Bewohner des Palastes? Stattdessen wird einem der Aufwand, der bei der Einrichtung eines jeden Zimmers betrieben wurde, verdeutlicht. Auch nicht uninteressant, aber auf Dauer leider etwas langweilig.
Bei der Haremführung erwartet mich leider das Gleiche. Anscheinend bin ich nicht der Einzige, der so denkt. Nach Besuch des Zimmers, in dem Kemal Atatürk starb, lassen einige Mitglieder der Gruppe und auch ich unseren Führer einfach stehen, gehen durch die verbleibenden Räume, werfen hier und dort mal einen Blick drauf und beenden unsere Führung vorzeitig. Ich schaue mich noch etwas auf dem Palastgelände um. Es gibt noch ein Uhrenmuseum. Der Eintritt wäre umsonst, aber nach der Vielzahl an Informationen über Teppichknüpfknoten, Kachelzahlen und Glasherkünfte fühle ich mich nicht mehr aufnahmebereit und beschliesse auch die beiden anderen Palastbesuche saussen zu lassen. Lediglich einen Besuch im Yildiz-Park kann ich mir noch vorstellen.
Davor muss ich mich aber noch stärken. Zum Palast gehört ein Restaurant dazu mit Blick auf dem Bosporus. Traumhaft! Da lasse ich mich nieder. Weniger traumhaft ist aber die Aufmerksamkeit des Personals dort. Es dauert lange, bis ich erst einmal eine Speisekarte bekomme und nochmal so lange, bis ich bestellen darf. Viele Gäste sind nicht so geduldig wie ich und verschwinden wieder. Mir ist das aber heute egal. Ich geniesse die Aussicht aufs Meer und warte. Warte auf meine Manti, türkische Ravioli. Danach trinke ich noch einen Tee. Als ich endlich zahlen darf, schaue ich auf die Uhr und beschliesse, dass es nun auch für einen Besuch in dem Yildiz-Park zu spät ist und laufe wieder zurück nach Eminönü, wo ich mir die Zeit bis zu meinem nächsten Termin, den Tanzenden Derwischen in der Bahnhofshalle, mit Herumlungern vertreibe.

Dolmabahçe-Palast

Dolmabahçe-Palast

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2 Kommentare zu “Beşiktaş

    • Das Bild vom Palast ist von vor zwei Jahren, bei einer Bosporusfahrt aufgenommen. Vom Land aus konnte man das Gebäude leider nicht so gut in Szene setzen. Aber das Wetter ist trotzdem toll. 16-19 Grad und meist Sonne. So läßt es sich hier aushalten 🙂 Liebe Grüße, Stefan

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